November 2009 - Mondi Packaging und Corenso United mussten ihre Verwertungsanlagen für Getränkekartons Ende des letzten Jahres stilllegen. Eine Folge des drastischen Rückgangs der Industrieproduktion und fallender Sekundärrohstoffpreise. Inzwischen hat sich die Lage entspannt. Mondi hat den Betrieb im Werk Raubling wieder aufgenommen. Das Recycling läuft auf vollen Touren.
Seit 1992 werden in Raubling in der Nähe von Rosenheim Getränkekartons recycelt. Die PWA, der das Werk damals gehörte, war der erste Vertragspartner der ReCarton GmbH, die im Auftrag der Getränkekarton-Hersteller die Verwertung organisiert. Im September letzten Jahres kam das plötzliche Aus. Mondi Packaging kündigte den Verwertungsvertrag. Ein wirtschaftlicher Betrieb der Aufbereitungsanlage schien nicht mehr möglich. Die komplette Anlage sollte verkauft werden. Fast gleichzeitig verkündete die Firma Corenso, ihre Hülsenkartonmaschine im finnischen Varkaus im Dezember 2008 stillzulegen. Auch hier ähnliche Probleme wie in vielen anderen Industriebereichen: Überkapazitäten, fallende Preise, mangelnde Rentabilität. Die Finanz- und Wirtschaftskrise verschärfte die Situation. Mit diesen beiden Betriebsstilllegungen war zum Jahresanfang 2009 etwa ein Drittel der verfügbaren Kapazitäten weggebrochen. Getränkekartons stapelten sich auf den Höfen der Sortierbetriebe und konnten nicht mehr wie üblich innerhalb von zwei Wochen abgeholt werden.
ReCarton nicht mehr alleine verantwortlich
Hinzu kam, dass die Duales System Deutschland GmbH (DSD) einige Zeit vorher entschieden hatte, die bei ihr lizenzierten Mengen ab Januar 2009 selbst zu verwerten. „Das erschwert die Kapazitätsplanung, da wir diese in Zukunft an den prognostizierten Lizenzmengenanteilen der anderen acht Dualen Systeme ausrichten müssen, sagt Walter Schäfers, Geschäftsführer der ReCarton GmbH: „Vorher haben wir einfach die Sammelquote in Bezug zum voraussichtlichen Getränkekartonverbrauch gesetzt und wussten welche Verwertungskapazitäten notwendig waren.“
Zum Jahresanfang 2009 war zumindest klar, dass für ReCarton die vertraglich garantierten Kapazitäten bei der Niederauer Mühle ausreichen würden, um die Jahresmengen von Landbell, Interseroh und anderen unterzubringen. Die Niederauer Mühle in Kreuzau war zu dieser Zeit die einzige Papierfabrik in Deutschland, die Getränkekartons verarbeitete. Glücklicherweise hat sich der Altpapiermarkt und die Nachfrage nach Papier- und Kartonprodukten schneller erholt, als viele Brancheninsider erwartet hatten. Nach dem drastischen Absturz der Preise im November 2008 und einer Seitwärzbewegung bis März 2009 steigen die Preise wieder, ohne allerdings das alte Niveau erreicht zu haben.
DSD nach langen Verhandlungen erfolgreich
Die Erholung auf dem Altpapiermarkt hat auch dem DSD geholfen. Das Unternehmen vermarktet etwa zwei Drittel der in Deutschland gesammelten Getränkekartons. DSD beliefert die Niederauer Mühle ebenso wie die spanische Papierfabrik Alier, die bereits lange Erfahrung mit der Aufbereitung von Getränkekartons hat. Darüber hinaus ist es DSD gelungen, Mondi Packaging zur Wiederaufnahme der Aufbereitungsanlage in Raubling zu bewegen und einen langjährigen Vertrag abzuschließen. „Das ging alles nicht von heute auf morgen“, sagt DKR-Geschäftsführer Michael Heyde, „einen Teil der Getränkekartons, die bereits einige Monate bei den Sortierbetrieben lagen, mussten wir thermisch verwerten, da die Faserqualität gelitten hatte. Wir werden die Vorgaben der Verpackungsverordnung aber auf jeden Fall einhalten“, so Heyde.