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Die Gelbe Tonne wird nicht grau

August 2006 - Die Schlagzeile in "Bild" ließ ein baldiges Ende der haushaltsnahen Erfassung vermuten: "Gelber Sack soll abgeschafft werden" hieß es da in großen Lettern. Das Dementi kam prompt. Der Geschäftsführer des FKN, Dr. Wilhelm Wallmann, vermutet dahinter mehr als eine typische Sommerlochgeschichte.
"Müll nur noch in eine Tonne – Gelber Sack soll abgeschafft werden", hieß es zu Beginn der Sommerferien auf Seite eins der "Bild-Zeitung". Das Dementi kam prompt: Das Umweltbundesamt erklärte, dass es derzeit keine Alternative zur getrennten Erfassung von Haushaltsabfällen gäbe, und auch der hessische Umweltminister Wilhelm Dietzel ließ mitteilen, dass er sich mit den Umweltministern der anderen Länder einig sei, bei der "bewährten Getrenntsammlung" zu bleiben. Handelt es sich also um eine dieser typischen Sommerlochgeschichten? Zufällig entstanden, weil der Redakteur keine Lust mehr hatte, seinen Müll zu trennen? Wohl kaum.

Das Bundesumweltministerium bereitet gerade eine Verpackungsnovelle vor, die noch in diesem Jahr verabschiedet werden soll. Erklärtes Ziel ist, die Grüne-Punkt-Sammlung zu stützen. Dies ist für einige Interessengruppen offensichtlich Anlass genug, auf den gelben Sack einzuschlagen: Die getrennte Sammlung sei zu teuer und technisch überholt, sagen sie. Billiger und auch ökologischer sei es, den Hausmüll in einer Tonne zu erfassen und die Wertstoffe anschließend vollautomatisch auszusortieren. Diese Thesen sind keineswegs neu. Die immer wieder aufflackernde Diskussion führt zu keinen neuen Erkenntnissen. Sie trägt allenfalls dazu bei, die Verbraucher zu verunsichern. Mehr noch: Es ist schon bewusste Irreführung, wenn "Bild" behauptet: "Alles Lug, alles Trug". In der Verbrennungsanlage wird "oft alles wieder zusammengeschüttet".

Bis die geplanten Großversuche abgeschlossen sind – und das wird noch einige Jahre dauern - besteht kein politischer Handlungsbedarf. Viele Fragen, die schon auf der Anhörung des Bundestages im Dezember 2004 zur Sprache kamen, sind nach wie vor ungeklärt. Vor allem aber fehlen die technischen und organisatorischen Vorraussetzungen für einen Systemwechsel. Experten gehen davon aus, dass eine gemeinsame Erfassung von Verpackungen und Restmüll - wenn überhaupt - nur dann sinnvoll ist, wenn der Bioabfall getrennt erfasst wird. Es müssten demnach nicht nur neue Sortieranlagen für ca. 15 Millionen Tonnen Müll gebaut werden, auch die Kapazitäten für die Erfassung und Verarbeitung von organischen Haushaltsabfällen müssten erheblich erweitert werden.

Ob die Märkte steigende Wertstoff-, Kompost- und Sekundärbrennstoff-Mengen überhaupt aufnehmen können, ist nur eine der offenen Fragen. Die Wertstoffqualität wird auf jeden Fall darunter leiden. Die Verpackungen sind u.a. stärker verschmutzt, was die Verwertung erschwert und die Kosten in die Höhe treibt. Für den Getränkekarton können wir das aufgrund von Erfahrungen aus dem Ausland schon jetzt feststellen. Diejenigen, die mit dem Hinweis auf hohe Fehlwurfraten das jetzige System kaputt reden wollen, können nicht ernsthaft glauben, dass die Sortierdisziplin besser wird, wenn in Zukunft die braune Biotonne und die gelb/graue Restmüll-Wertstofftonne vor der Haustür stehen. Dies gilt insbesondere für Ballungsräume mit sozialen Brennpunkten. Dazu kommen noch vollkommen ungeklärte Fragen zur Finanzierung, der Aufteilung der Verantwortung zwischen Kommunen und Dualen Systemen, und, und, und ... . Man kann dem Umweltbundesamt daher nur zustimmen: "Für Spekulationen über die Abschaffung des gelben Sacks ist es viel zu früh."

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Fachverband Kartonverpackungen für flüssige Nahrungsmittel e.V. (FKN)