Was ist eine Ökobilanz?

Ökobilanzen untersuchen den gesamten Lebensweg eines Produktes – von der Rohstoffgewinnung über die Produktion bis hin zum Recycling. Wie Ökobilanzen zu erstellen sind, ist in verbindlichen Standards und Verfahrensregeln festgelegt. Im Vergleich zu anderen Getränkeverpackungen schneiden Getränkekartons gut ab.

Erste Ökobilanz nach neuen UBA-Anforderungen

Nach dreijähriger Forschungsarbeit unter Beteiligung von Wirtschafts- und Umweltverbänden hat das Umweltbundesamt (UBA) im Februar 2016 verbindliche Verfahrensregeln festgelegt, die es ermöglichen, überprüfbare Bilanzen zu erarbeiten, die dem Stand der Wissenschaft entsprechen. Diese Mindestanforderungen basieren auf dem internationalen Standard der ISO-Normenreihe 14040- 44. Das Bundesumweltministerium hat erklärt, zur Vorbereitung politischer Entscheidungen – wie z.B. der Einführung von Pfandpflichten – nur noch Ökobilanzen zu akzeptieren, die auf dieser Grundlage erstellt und vom UBA geprüft wurden.

Pilotstudie 2018 / Überarbeitung 2020

Die Hersteller von Getränkekartons sind dieser Forderung als erste Branche nachgekommen. Die im Juli 2019 veröffentlichte Ökobilanz hat daher Pilot-Charakter: Sie erfüllt die UBA-Anforderungen und wurde von einem Gutachterausschuss unter Vorsitz des Öko-Instituts fachlich begleitet. Das vom Fachverband Kartonverpackungen für flüssige Nahrungsmittel e.V. (FKN) beauftragte Institut für Energie und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) ist eines der renommiertesten Institute auf dem Gebiet der Ökobilanzierung und war auch federführend an der Erarbeitung des UBA-Mindeststandards beteiligt.

Das Ergebnis in Kurzform: Der Getränkekarton ist – gesamtökologisch betrachtet – mindestens genauso gut wie Glas-Mehrwegflaschen. Er liegt deutlich vor Einweg-Plastikflaschen, auch dann, wenn diese zu einem hohen Anteil recycelt werden und Rezyklate enthalten. Diese Bewertung wurde erwartungsgemäß nicht von allen Marktteilnehmern geteilt. Ein Fehler bei der Übernahme von Distributions-Daten, war Ausgangspunkt kritischer Kommentare von Seiten mehrwegorientierter Wirtschaftskreise und der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Um der sachlichen und methodischen Kritik zu begegnen und die Ergebnisse transparenter zu machen, wurde der Abschlussbericht der Studie auf Empfehlung des Umweltbundesamtes überarbeitet. Dieser wurde Ende 2020 vorgelegt. Darin werden die Ergebnisse der Pilotstudie von 2018 im Wesentlichen bestätigt.

Was wurde untersucht?

Die UBA-Mindestanforderungen schreiben vor, dass alle marktrelevanten Verpackungen innerhalb eines Getränkesegments mit einem Marktanteil von mehr als fünf Prozent untersucht werden müssen. Der Auftraggeber einer Ökobilanz kann sich also nicht aussuchen, mit welchen Verpackungen er sich vergleichen will. Im Rahmen der aktuellen Studie wurden Mehrweg-Glasflaschen mit PET-Einwegflaschen und Getränkekartons in den Segmenten Frischmilch, H-Milch und Fruchtsaft verglichen.

Von der Wiege bis zur Bahre

Der englische Begriff „Life Cycle Assessment“ (LCA) macht deutlich, worum es bei Ökobilanzen geht. Es wird der gesamte Lebensweg eines Produktes betrachtet: Von der Herstellung über die Nutzung bis zur Entsorgung bzw. dem Recycling werden Umweltauswirkungen erfasst. Dabei wird nicht nur die Produktion der Verpackung unter die Lupe genommen; auch die Herstellung der Vorprodukte, teilweise sogar der Hilfs- und Betriebsstoffe, sowie die Förderung und Bereitstellung der Rohstoffe werden bilanziert. Einbezogen werden auch alle Transporte, die dabei notwendig sind. Auf jedem Lebenswegabschnitt entstehen Umweltbelastungen in den Bereichen Wasser, Luft und Boden. Diese müssen quantifiziert und bewertet werden.

Lifecycle Getränkekarton

Wirkungskategorien

Alle in die Umwelt abgegebenen Stoffe müssen (öko-)toxikologisch beurteilt und bestimmten Umweltwirkungskategorien zugeordnet werden. Diese wiederum haben nicht alle die gleiche ökologische Relevanz. Deshalb hat das UBA die Kategorien nach Prioritäten geordnet. In den ifeu-Ökobilanzen werden 13 Wirkungskategorien untersucht. Ganz oben steht der Einfluss auf den Klimawandel. Für Feinstaub, Ressourcenbeanspruchung, Wasserverbrauch, Krebsrisikopotenzial sowie Ionisierende Strahlung ist nach der Bewertungsmethode des Umweltbundesamts keine Rangbildung möglich. Hier liegen (noch) keine validen Daten vor.

Ergebnisse

Die neue Ökobilanz bescheinigt dem Getränkekarton in der Kategorie “Klimaschutz” deutlich bessere Werte als Plastikflaschen und Mehrweg-Glasflaschen. Auf 170 Seiten haben die Forscher die jeweiligen Verpackungen über den gesamten „Lebensweg“ verglichen – von der Rohstoffgewinnung über die Verpackungsherstellung, von der Abfüllung bis zum Recycling inklusive aller Transportprozesse. 

Ein wesentliches Ergebnis: Als umweltfreundliche Verpackung punktet der Getränkekarton vor allem durch den Einsatz eines nachwachsenden Rohstoffes (Holz), der aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt. In der Ökobilanz des ifeu-Instituts heißt es dazu:

Definitiv ist, dass das System Getränkekarton unabhängig von der Füllgröße aufgrund des hohen biogenen Anteils im Verpackungskörper und den CO2 Gutschriften, die im Rahmen der Studienmethode aufgeführt werden können, signifikante Vorteile in der Wirkungskategorie mit sehr großer ökologischer Priorität, dem Klimawandel, aufweist.“

Die ökologisch beste Wahl bei Frischmilch

In fast allen Umweltwirkungskategorien schneidet der Getränkekarton deutlich besser als Einweg-Plastikflaschen. Aber auch im Vergleich zum Mehrweg-Glas ist der Getränkekarton klar im Vorteil. Bei Milch kann man nicht von einem funktionierenden Mehrwegsystem sprechen: Es gibt nur wenige Abfüllorte. Entsprechend hoch sind die Transportentfernungen. Die Umlaufzahlen sind gering. Die Flaschen werden einzeln und nicht im Kasten verkauft, was sich negativ auf den Flaschenrücklauf auswirkt.

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Konkurrenzlos bei H-Milch

Ähnliche Ergebnisse liefert die Untersuchung bei Verpackungen für haltbare Milch. Hier ist der Getränkekarton um 69 % klimafreundlicher als die PET-Einwegflasche. H-Milch wird nicht in Mehrwegflaschen abgefüllt.

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Gut für Verbraucher: Der Saftkarton

Wer Fruchtsaft trinken will und zur Plastikflasche greift, trifft unter ökologischen Gesichtspunkten nicht die beste Wahl. Die Mehrweg-Glasflasche und der Getränkekarton schneiden in der Ökobilanz deutlich besser ab. Dies liegt vor allem am hohen Anteil fossiler Rohstoffe der Plastikflasche.

Zusammenfassend heißt es in der Studie: “Im Getränkesegment Säfte und Nektare haben die 1,0-Liter- und 1,5-Liter-Getränkekartons und die 1,0-Liter-Glas-Mehrwegflasche signifikante Vorteile gegenüber den 1,0-Liter-PET-Einwegflaschen. Der 1,5-Liter-Getränkekarton und der 1,0-Liter-Getränkekarton zeigen ein ökobilanzielles Profil, das in der Gesamtschau der diskutieren Ergebnisse keine signifikanten Vor- oder Nachteile gegenüber der 1,0-Liter-Glas-Mehrwegflasche (VdF Pool-Flasche) erkennen lässt.”

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Viele Ökobilanzen – ein Ergebnis

Bereits in früheren Ökobilanzen wurde deutlich: Der Getränkekarton ist eine ökologisch vorteilhafte Verpackung. Am 9. August 2000 erklärte der damalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin: „Zwischen Mehrwegflaschen und Einweg-Getränkekartons gibt es aus Umweltsicht ein Patt.“ Grundlage für diese Bewertung war eine Ökobilanz des Umweltbundesamtes (UBA) zu 28 Einweg- und Mehrwegverpackungen für CO2-haltige Getränke, Mineralwasser, Fruchtsäfte und Wein, die in Fachkreisen bis heute UBA II-Studie genannt wird.

Das ist 20 Jahre her. Vieles hat sich im Laufe der Zeit verändert: Gab es damals z. B. nur wenige Getränkekartons, die mit Kunststoffverschlüssen ausgestattet waren, sieht das heute vollkommen anders aus. Getränke- und Verpackungsmärkte sind davon ebenso betroffen wie Produktions- und Recyclingprozesse, Distributionsentfernungen oder Umlaufzahlen von Mehrwegflaschen. Deshalb sollten Ökobilanzen regelmäßig aktualisiert werden. Entsprechende Untersuchungen wurden von den Verpackungsherstellern seitdem immer wieder in Auftrag gegeben.

An der ökologischen Bewertung hat sich bis heute nichts geändert

Barbara Hendricks, Bundesumweltministerin a.D., 14.02.2017

„Die Kartons lassen sich gut recyceln. Und im Übrigen schneidet der Getränkekarton in der Umweltbilanz nicht schlechter ab als die Mehrweg-Glasflasche.“

So wurde z.B. im Jahr 2006 eine vom FKN beauftragte Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung (ifeu) veröffentlicht. Verglichen wurden Getränkekartons mit Einweg-Kunststoffflaschen in den Getränkesegmenten Saft, Nektar, Eistee und Frischmilchgetränke. Die für Deutschland repräsentative Ökobilanz belegte deutliche Vorteile des Getränkekartons beim Treibhauseffekt und dem „fossilen Ressourcenverbrauch“ – also jenen Umweltwirkungskategorien, denen vom Umweltbundesamt eine besonders hohe ökologische Bedeutung beigemessen wird. In sechs von acht untersuchten Umweltwirkungskategorien schnitt der Karton besser ab. 

Zu ähnlichen Ergebnissen kamen zwei Studien der Firma SIG Combibloc für den europäischen Markt von Softdrinks (2010) und UHT-Milch (2012) sowie eine Studie des Unternehmens Tetra Pak für die skandinavischen Milch- und Fruchtsaft-Märkte (2017).

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