Reaktives Presse-Statement zum Beitrag der Lebensmittel Zeitung
Der FKN stellt klar, dass das Recycling von Getränkekartons in Deutschland seit Jahrzehnten etabliert ist und gut funktioniert. Neben spezialisierten Recyclinganlagen in Deutschland steht ein etabliertes europäisches Netzwerk an Recyclern zur Verfügung, um gebrauchte Getränkekartons aufzubereiten. Die aktuelle BfR-Empfehlung wird aktualisiert und stellt kein generelles Verbot der stofflichen Nutzung recycelter Getränkekartonfasern dar. Es bestehen für hochwertige Produkte ohne Lebensmittelkontakt keine Einschränkungen. Mit einer Verwertungsquote von 99,6 % und einer stofflichen Recyclingquote von 72 % leisten Getränkekartons einen wichtigen Beitrag zur Ressourcenschonung und zum Einsatz von Sekundärrohstoffen.
• Das Getränkekartonrecycling in Deutschland steht nicht vor dem Aus
• Es gibt ausreichend Recyclingkapazitäten in Europa
• Alle gesammelten Getränkekartons werden verwertet
Berlin, 21. 09. 2026 – Die aktuelle Berichterstattung der Lebensmittel Zeitung zum Recycling von Getränkekartons („Recycling von Milchtüten im Stresstest“) enthält aus Sicht des Fachverbandes Kartonverpackungen für flüssige Nahrungsmittel (FKN) mehrere sachlich unzutreffende bzw. stark verkürzte Darstellungen. Insbesondere die Aussagen zur BfR-Empfehlung, zu den verfügbaren Recyclingkapazitäten und zur stofflichen Verwertbarkeit von Getränkekartons bedürfen einer Klarstellung. Der FKN weist die daraus entstehenden falschen Schlussfolgerungen ausdrücklich zurück und ordnet die Fakten zum Getränkekartonrecycling in Deutschland im Folgenden sachlich ein.
Das Getränkekartonrecycling ist etabliert und zukunftsfähig aufgestellt
Die Aussage, dass dem Recycling von Getränkekartons das Aus drohe, ist schlicht falsch. Offizielle Zahlen des Umweltbundesamtes (UBA) belegen, dass Getränkekartons seit über 30 Jahren erfolgreich recycelt werden. Die Getränkekartonindustrie leistet damit einen wichtigen Beitrag für mehr Ressourcenschonung, Rohstoffunabhängigkeit und Klimaschutz in Deutschland.
Das BfR hat lediglich den Anteil von Papierfasern aus recycelten Getränkekartons in spezifischen Produkten, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen (vornehmlich Pizzakartons) reduziert. Bei allen anderen Fasernutzungsmöglichkeiten in hochwertigen Produkten, die nicht im Lebensmittelkontakt stehen, liegen keinerlei Einschränkungen vor.
Es handelt sich hier nicht um eine bundesbehördliche Untersagung, sondern um ein rechtlich nicht bindendes Dokument, das sich zudem derzeit in einer Aktualisierungsrunde befindet. Aus dieser Empfehlung folgt kein generelles Verbot der stofflichen Nutzung recycelter Getränkekartonfasern.
Das Recycling von Getränkekartons funktioniert sehr gut, es gibt ausreichend Kapazitäten in Europa
Getränkekartons bilden bereits seit Jahren eine eigene Sortierfraktion in deutschen Sortieranlagen. Das bedeutet, dass Getränkekartons getrennt gesammelt und in spezialisierten Recyclinganlagen stofflich verwertet werden.
Eine besondere Rolle in diesem Recyclingprozess übernimmt die Papierfabrik Niederauer Mühle in Kreuzau. Hier werden die Papierfasern von den Kunststoff- und Aluminiumschichten sowie Kunststoffverschlüssen (sogenanntes PolyAl) sauber getrennt, damit die Papierfasern in der Papierfabrik Niederauer Mühle wieder für hochwertige Kartonprodukte verwendet werden können. So werden die gebrauchten Getränkekartons mit einer Jahreskapazität von bis zu 120.000 Tonnen aufbereitet und es entsteht ein wertvoller Rohstoff.
Neben der Papierfabrik Niederauer Mühle gibt es weitere zertifizierte Verwerter für die anfallenden Getränkekartons in Europa, die laut Verpackungsrechtdurchführungsgesetz genutzt werden dürfen. Darunter sind Stora Enso in Ostrołęka (Polen), Lucart in Diecimo Lucca (Italien) und Saci an den Standorten in Verona und Carmignano die Brenta (Italien).
Alle gesammelten Getränkekartons werden verwertet
Der Artikel suggeriert, dass ein erheblicher Teil der Getränkekartons gar nicht verwertet wird. Das ist schlicht falsch: Die aus Getränkekartons gewonnenen Sekundärrohstoffe finden seit Jahrzehnten Anwendung in zahlreichen neuen Produkten – sowohl in Wellpappenrohpapier wie auch in hochwertigen Kunststoff- und Aluminiumprodukten. Entscheidend ist, dass die enthaltenen Rohstoffe hochwertig und lange im ganzheitlichen Stoffkreislauf gehalten werden und damit Primärrohstoffe ersetzen.
Die auf den deutschen Markt gebrachten Mengen werden nach den neuesten Zahlen der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM, April 2026) zu 99,6% verwertet, es gehen 72% in das stoffliche Recycling. Damit leistet die Getränkekartonindustrie einen erheblichen Beitrag dazu, dass die in der EU-Verpackungsverordnung PPWR festgelegte stoffliche Verwertungsquote für Papier erreicht wird.
Die im Artikel genannten aktuellen Herausforderungen im Recycling sind dabei weniger technischer als vielmehr struktureller Natur und betreffen nicht nur die Getränkekarton-Branche. Die gesamte deutsche Wirtschaft ist durch die gestiegenen Energiekosten stark geschwächt. Insbesondere die Papierindustrie als verlässlicher Recycler und Abnehmer von gebrauchten Getränkekartons leidet unter den signifikant angestiegenen Energiepreisen, die im europäischen Vergleich mit am höchsten sind. Leider unternimmt die Bundesregierung zu wenig, um der Wirtschaft in Deutschland zu helfen in dieser Zeit der angespannten Versorgungslage.
Die Getränkekartonindustrie hat über Jahre zum erfolgreichen Auf- und Ausbau leistungsfähiger Sammel- und Verwertungssysteme beigetragen. Allein 10 Mio. wurden von den Häusern Tetra Pak, SIG und Elopak in die 2021 in Betrieb genommene eigene PolyAl-Anlage Palurec investiert.
Eine Ausweitung der aktuellen Kapazitäten bedarf allerdings wirtschaftlicher Anreize zur Stärkung der Nachfrage nach Sekundärrohstoffen, fairer Marktbedingungen und verlässlicher politischer Leitplanken.